Centuri-Port
Der romantische Langustenfischer-Hafen am Cap Corse
Wenn am späten Nachmittag gegen 17 Uhr die Fischer von ihrem langen Tag auf See zurück in den Hafen einfahren, wird es kurz mal richtig hektisch in Centuri-Port, dem kleinen Hafen auf der Westflanke des Cap Corse. Dann wird der Fang des Tages an Land gebracht, verladen und in die zahlreichen Restaurants in den bunten Häuschen rund um den romantischen Fischerhafen geschleppt. Was hier aus dem offenen Meer im Norden Korsikas gefischt wird, sind nicht nur silbern glänzende Meerbrassen, klitschige Tintenfische oder übergroße Zackenbarsche, sondern vor allem Langusten. Sie sind die Spezialität von Centuri und man sagt, der kleine Hafen sei die Wiege der französischen Langustenfischerei par excellence. Gut zwei Tonnen der krabbeligen Kurstentiere mit ihren langen, rotbraunen Antennen zieht ein gutes Dutzend Fischerfamilien pro Jahr aus den Fluten - meist weitab der Nordspitze der Insel mit Netzen aus der Tiefe des offenen Meeres.

Hat man genug vom Treiben am Hafen, kann man noch einen kleinen Spaziergang durch die engen Gassen der bunten, alten, schiefergedeckten Fischerhäuser einlegen. Hier hat man sich auf Urlauber eingestellt: An jeder Ecke gibt es Restaurants, Bars und Spezialitätengeschäfte. Trotzdem ist man unter sich: Der Hafen ist für Jachten zu klein und Busladungen an Urlaubern verirren sich nur selten in den kleinen Ort, der nur über eine kurvige Seitenstraße fernab der Küstenroute D80 zu erreichen ist. Oder man unternimmt einen kleinen Spaziergang ans Meer. Der Strand von Crique de Mute, der sich vor Wind und Wellen hinter das Eiland von ilot de Capense duckt, ist zwar nicht besonders schön. Aber vor allem Schnorchler können zwischen den Felsen und Klippen eine fast unberührte Unterwasserwelt entdecken.

Rechtzeitig vor Sonnenuntergang sollte man sich aber wieder zurück an den Hafen machen, um sich die besten Sundowner-Plätze zu sichern: Wenn die Sonne über dem kleinen Hafen untergeht, ist die Welt in Centuri noch in Ordnung. Die Fischerboote plätschern in den seichten Wellen, das kühle Bier oder der eiskalte vin blanc steht auf dem Tischchen und aus den Restaurants weht der Wind schon denDuft von Abendessen in die Nase. Wer mag bei dieser romantischen Abendstimmung schon daran denken, dass der korsische Nationalheld Pascal Paoli Centuri um 1760 zum Flottenstützpunkt und Bootswerft ausbaute, um Korsika von der ungeliebten Besatzern aus Genua und Frankreich zu befreien.

Wenn das Urlaubsbudget noch etwas hergibt, sollte man bis zum Abendessen bleiben. Die bekannteste Fischergeneration vor Ort ist die Familie Sker, die das Vorzeigerestaurant von Centuri besitzt: Le Langustier kommt in jedem Reiseführer vor. Die Krustentiere sind garantiert frisch, weil Familienoberhaupt Ferdinand jeden Tag höchstpersönlich mit seinem Boot Laura auf Fang geht. Ihr Stelzenrestaurant am Nordquais des Hafens ist sicher kein Geheimtipp, aber der Blick auf das offene Meer vielleicht der beste, den Centuri zu bieten hat. Die Langusten in allen Formen, Zubereitungsarten und Variationen sind zwar nicht billig, aber selbst gut situierte Feinschmecker kommen so romantisch nicht jeden Tag voll auf ihre Kosten.
 
Timo Lutz
Das Wahrzeichen des Cap Corse
Moulin Mattei
Das Wahrzeichen des windumtosten Cap Corse
Tour de Sénèque mit strahlend blauem Himmel im Hintergrund
Tour de Sénèque
der abgeschiedene Turm soll einst Ort der Verbannung gewesen sein