Tour de Sénèque
der abgeschiedene Turm soll einst Ort der Verbannung gewesen sein
Neun Uhr morgens am Cap Corse: Macchia-Sträucher, Schwarzkiefern und hellgraue Felsen säumen die D180 in Richtung Pino hinter dem in knapp 380 Metern Höhe gelegenen Col de Santa Lucia. Trotz der frühen Uhrzeit ist es schon warm und der Wind ist trocken. 
Wir sind auf dem Weg zum abgeschiedenen Seneca-Turm bei Luri. Am Pass zweigt neben einer verlassenen, halb zerfallenen Kapelle eine schmale Straße ab. Ein Wegweiser zeigt den Pfad zum Tour, der sich schon bald steinig und steil nach oben windet auf den malerischen Aussichtsturm mit grandiosem Blick auf eine unberührte Naturlandschaft und das blau schimmernde Meer! Das Panorama ist atemberaubend schön, an klaren Tagen sieht man selbst die toskanischen Inseln Capraia und Elba.    
Der Aufstieg vom Col de Santa Lucia dauert ca. 30 Minuten. Gleicher Hin- und Rückweg.  
Angeblich soll der idyllische Tour de Sénèque für mehrere Jahre der Wohnort des römischen Philosophen Lucius Annaeus Seneca (4 v.Chr. - 65 n.Chr.) gewesen sein. Der Schriftsteller war vermutlich der Tochter des römischen Feldherrn Germanicus (15 v.Chr. - 19 n.Chr.) zu nahe getreten.
Kaiser Claudius (10 v.Chr. - 54 n.Chr.) verbannte ihn daraufhin im Jahr 41 n.Chr. an diesen abgeschiedenen Ort, wo er über seinen amourösen Fehltritt nachdenken sollte: Denn damals war der Genueserturm noch ein Römerturm, auf dessen Überreste Genua die derzeitige Warte erst im 16. Jh. errichteten ließ. 
Während Senecas tröstende Consolationes sich mit den Jahren in verzweifelte Bittgesuche um Begnadigung verwandelten, erfreut sich der romantische Tour heute größter Beliebtheit.
 
Andrea Behrmann
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