Montag, 21. Februar 2011

Montag, 21. Februar 2011




Eine kleine Anekdote zur Praxis des Occhjiu auf Korsika

Heute möchte ich Ihnen eine kleine Anekdote zum Thema der vergangenen Woche , der Praxis des „Occhjiu“ (des Exorzismus gegen einen auferlegten Fluch) erzählen. Über Kommentare würde ich mich sehr freuen … Viel Spaß beim Lesen!

Herzlichst,
Miluna

Vor zirka sechs Jahren arbeitete ich als Haushaltshilfe bei einer alten Dame. Eines Morgens als ich bei ihr ankam, schaute sie mich durchdringend an, dann fragte sie, ob ich irgendwelche Beschwerden hätte, Kopfschmerzen, Fieber o.a. Ich war ein wenig erstaunt, dann fragte ich wieso und sie antwortete mir, dass sie spüre, dass jemand einen Fluch l’oghjiu » gegen mich oder gegen jemand in meiner Familie geworfen hatte.
Ich wurde bleich, dann erzählte ich ihr das mein Töchterchen, damals 2 Jahre alt, seit fast einer Woche Fieber hatte, sich schlapp und müde fühlte und ständig gähnte, tagsüber und nachts viel weinte und kaum schlief, aber keinerlei Anzeichen von einer Krankheit aufwies. Die Kinderärztin hatte sie von oben bis unten durchgecheckt, sogar Blutproben genommen, Urinproben gemacht und nichts, rein gar nichts gefunden!
«Aha» sagte die Dame, „ich habe mich also geirrt, es hat Ihre Tochter erwischt, jemand hat ihr einen Fluch geschickt. Wenn Sie möchten, führe ich das Ritual durch, um sie davon zu befreien. Bringen Sie sie mir noch heute Nachmittag vorbei und wir werden sie von ihrem Übel befreien“.
Gesagt getan, gegen 14.00 Uhr kam ich mit meiner kleinen Fee bei ihr an. Sie fing gleich an zu weinen, war rot, verschwitzt und heiß, hatte trotz der Medikamente fiebrige glasige Augen, war zappelig und nervös, was gar nicht ihre Art war. Die liebe Sigadora lud uns ein sich in ihrem Ritualsraum niederzulassen vor einem runden tiefen Tisch auf großen Kissen, wo schon die Öllampe und der Teller mit Wasser standen. Sie setzte sich uns gegenüber, fragte nach dem Namen meiner Kleinen und begann das Ritual. Nachdem sie das Öl eingeträufelt hatte, beobachtete ich mit Staunen die Öltropfen, die aufgingen und sich überall verteilten. “Na das war ja klar“, sagte die Signadora und begann mit dem Antifluchritual. Mein Töchterchen schien sich schon zu beruhigen und schaute wie hypnotisiert auf die tanzenden Öltropfen. Es dauerte noch eine Weile, dann war es vorbei und die Sigadora rief erfreut „na wie fühlst du dich, meine Kleine?“ Mein Töchterchen schaute lachend auf, ihr Gesicht hatte eine normale Farbe angenommen, ihre Augen strahlten klar und gesund – ich fasste an ihre Stirn, die nicht mehr glühte …
«Es hat geklappt, sie ist befreit und wieder gesund! Ich danke Ihnen von Herzen, aber wissen Sie wer meiner Kleinen einen Fluch auferlegt hat und warum?» Sie schaute wie durch mich hindurch und erklärte es seien Neider und schlechte schwarze Seelen in dem Dorf in dem ich wohnte. Sie gab mir einen kleinen Talisman, den ich meiner Töchter umhängen sollte, um sie vor neuen Angriffen zu schützen. Den trug sie dann auch und ich habe mir ebenfalls einen zugelegt.
Man sollte auf Korsika einen tragen, denn leider stößt man oft auf Neider und schlechte schwarze Seelen, wie überall auch …

© Miluna Tuani – Februar 2011

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