GR20 Korsika: Alle Etappen, Refuges, Planung & Ausrüstung

- Der GR20 durchquert Korsika auf rund 180 km von Calenzana im Norden bis Conca im Süden, offiziell in 16 Etappen, mit Vizzavona als Grenze zwischen Nord- und Südteil.
- Die Übernachtung in den Refuges des Naturparks muss reserviert werden, auch wer im eigenen Zelt schläft, braucht eine Buchung pro Person.
- Die beste Zeit ist Mitte Juni bis Ende September. Kondition, Trittsicherheit und Wetterbeobachtung sind wichtiger als jede Ausrüstungsliste.
Der GR20 auf Korsika gilt als einer der anspruchsvollsten Fernwanderwege Europas. Er führt quer über das Gebirge der Insel, meist oberhalb von 1 500 Metern, fernab von Dörfern und Straßen. Wer ihn plant, braucht drei Dinge: einen realistischen Etappenplan, reservierte Schlafplätze in den Refuges und eine ehrliche Einschätzung der eigenen Form. In diesem Guide finden Sie alle 16 Etappen im Überblick, die Regeln für Hütten und Biwak, die richtige Reisezeit und eine Packliste, die sich an den Vorgaben des Naturparks orientiert.
GR20 Korsika im Überblick: Fakten zum Fernwanderweg
Der Grande Randonnée 20 wurde 1972 eröffnet. Die Zahl 20 bezieht sich auf die damalige Nummer des Départements Korsika. Laut Wikipedia ist der Weg rund 180 km lang und verbindet Calenzana in der Balagne mit Conca im Südosten. Der höchste Punkt liegt unterhalb des Monte Cinto bei etwa 2 600 Metern. Markiert ist der GR20, wie alle französischen GR-Wege, mit einem weißen und einem roten Streifen.
Der größte Teil des Weges verläuft durch den Parc naturel régional de Corse (PNRC), der auch die Refuges betreibt. Auf der Website des Parks wird der GR20 „Frà li monti“ genannt, also „zwischen den Bergen“. Etwa auf halber Strecke liegt Vizzavona mit Bahnhof. Dort endet der Nordteil, und viele Wanderer beginnen oder beenden hier ihre Tour.
| Merkmal | GR20 Nord (Calenzana – Vizzavona) | GR20 Süd (Vizzavona – Conca) |
|---|---|---|
| Etappen | 9 | 7 |
| Charakter | hochalpin, felsig, viele Blockfelder und einige gesicherte Passagen | mehr Wald, Hochplateaus und Grate, insgesamt weniger technisch |
| Highlights | Monte-Cinto-Massiv, Paglia Orba, Lac de Ninu, Brèche de Capitellu | Plateau du Cuscionu, Monte Incudine, Aiguilles de Bavella |
| Für wen? | trittsichere, ausdauernde Bergwanderer | gute Wanderer, die einen schönen, etwas leichteren Einstieg suchen |
Alle 16 Etappen des GR20

Die folgende Übersicht folgt der Etappeneinteilung des Naturparks. Die Gehzeiten sind die Richtwerte des PNRC für die Richtung Nord nach Süd. Sie gelten für trainierte Wanderer ohne längere Pausen. Rechnen Sie bei schlechtem Wetter oder schwerem Rucksack großzügiger.
| Etappe | Von – Nach | Gehzeit (PNRC) | Charakter |
|---|---|---|---|
| 1 | Calenzana – Ortu di u Piobbu | ca. 6 h 30 | steiler Aufstieg aus der Balagne, Meerblick |
| 2 | Ortu di u Piobbu – Carrozzu | ca. 7 h | felsig, Geröll, kein Wasser unterwegs |
| 3 | Carrozzu – Ascu Stagnu (Haut-Asco) | ca. 6 h 10 | Hängebrücke Spasimata, steile Rinne, ebenfalls kein Wasser |
| 4 | Ascu Stagnu – Tighjettu | ca. 8 h | neue Route über die Pointe des Éboulis statt Cirque de la Solitude |
| 5 | Tighjettu – Ciottulu di i Mori | ca. 4 h | kurz, Abstecher auf Paglia Orba oder Capu Tafunatu möglich |
| 6 | Ciottulu di i Mori – Manganu | ca. 8 h | lang, aber gleichmäßig, Lac de Ninu |
| 7 | Manganu – Petra Piana | ca. 6 h 30 | Brèche de Capitellu, sehr alpin, Schneefelder im Frühsommer |
| 8 | Petra Piana – L’Onda | ca. 4 h 50 | Talvariante mit Badegumpen oder Gratvariante (nur bei sicherem Wetter) |
| 9 | L’Onda – Vizzavona | ca. 6 h | Bocca Muratellu, Abstieg zu den Cascades des Anglais |
| 10 | Vizzavona – E Capannelle | ca. 5 h 15 | Wald, technisch einfach |
| 11 | E Capannelle – Prati | ca. 6 h 10 | Col de Verde, Blick auf das Tyrrhenische Meer |
| 12 | Prati – Usciolu | ca. 5 h 45 | Gratwanderung, im Hochsommer Wassermangel |
| 13 | Usciolu – Cuscionu | ca. 4 h 25 | „Arête des statues“, Hochplateau |
| 14 | Cuscionu – Asinau | ca. 4 h 15 | Option Gipfel Monte Incudine (Alcudina) |
| 15 | Asinau – Paliri | ca. 7 h | klassische Route oder alpine Variante durch die Aiguilles de Bavella |
| 16 | Paliri – Conca | ca. 5 h | langer Abstieg durch Macchia, Ziel Conca |
Der Norden: die harte Hälfte
Die ersten neun Etappen sind der Grund für den Ruf des GR20. Der Weg führt über Blockfelder, Platten und Scharten, an einigen Stellen helfen Ketten. Besonders die Etappen 2 und 3 haben laut Naturpark kein Wasser auf der Strecke: Füllen Sie Ihre Flaschen an der Quelle beim Refuge. Etappe 4 verläuft seit dem Felssturz im Cirque de la Solitude im Juni 2015 über eine hochalpine Umgehung. Der alte Abschnitt ist gesperrt, die neue Route über die Pointe des Éboulis ist heute die offizielle Wegführung. Wer sich für den Nordteil im Detail interessiert, findet auf korsika.fr auch einen Bericht zum Asco-Tal und dem Monte Cinto.
Der Süden: Plateaus, Buchenwälder und Bavella
Ab Vizzavona wird der Weg zugänglicher. Die Etappen 10 und 11 verlaufen viel im Wald, danach folgen Grate mit weitem Blick auf beide Küsten. Das Plateau du Cuscionu mit seinen Feuchtwiesen, den pozzines, gehört zu den eindrucksvollsten Landschaften der Insel. Auf der vorletzten Etappe haben Sie die Wahl zwischen dem klassischen Weg und der alpinen Variante durch die Aiguilles de Bavella. Mehr zur letzten Hütte lesen Sie in unserem Beitrag zum Refuge de Paliri.
Refuges, Biwak und Reservierung
Entlang des Weges betreibt der Naturpark eine Kette von Refuges. Laut PNRC verfügt jede Hütte im Schnitt über rund dreißig Schlafplätze, eine Biwakfläche, eine Außenküche mit Gas, Duschen, Trockentoiletten, einen kleinen Laden und einen Erste-Hilfe-Kasten. Abends gibt es ein warmes Essen, morgens Frühstück und auf Wunsch ein Lunchpaket. Mahlzeiten werden nur vor Ort bestellt und bezahlt, und zwar laut Park in bar oder per Scheck.
- Reservierungspflicht: Für Schlafplätze in der Hütte, für Mietzelte und für das Biwak im eigenen Zelt ist eine Reservierung über die zentrale Buchungsseite des Parks vorgeschrieben, und zwar pro Person.
- Bewachte Saison: Für 2026 gibt der Park die bewachte Zeit vom 16. Mai bis 4. Oktober an. Die Daten werden jedes Jahr neu festgelegt.
- Ankunftszeit: Wer abends essen möchte, sollte spätestens gegen 18 Uhr beim Hüttenwart sein.
- Wildcampen: Biwakieren abseits der Hütten und vorgesehenen Flächen ist nicht erlaubt.
In Vizzavona, an der Station E Capannelle und auf dem Plateau du Cuscionu gibt es zusätzlich private Gîtes und Bergeries. Sie bieten teilweise Halbpension und sind eine gute Option, wenn Sie eine Etappe teilen oder einen Ruhetag einlegen möchten.
Beste Reisezeit für den GR20

Der Weg ist in der Regel ab Mitte Juni schneefrei. Im Juni können im Norden, etwa an der Brèche de Capitellu, noch Schneefelder liegen. Dann sind Grödel oder Steigeisen sinnvoll, und unerfahrene Wanderer sollten sich besser einem Bergführer anschließen. Juli und August sind die beliebtesten Monate: Die Hütten sind voll, es ist heiß, und am Nachmittag ziehen häufig Gewitter auf. Der September gilt bei vielen als ideal, mit stabilerem Wetter und weniger Andrang. Ab Ende September schließen erste Bergeries, und das Angebot an Verpflegung wird kleiner.
Unabhängig vom Monat gilt die Regel des Naturparks: Lieber umkehren als ein Risiko eingehen. Das Wetter im korsischen Gebirge kann innerhalb einer Stunde umschlagen.
Für die Wetterplanung empfiehlt der Park die Bergwetterberichte von Météo-France für Korsika. Planen Sie mindestens einen Puffertag ein, falls ein Gewitter Sie in einer Hütte festhält.
Planung: Anreise, Richtung und Etappenplan
Nord-Süd oder Süd-Nord?
Die meisten gehen von Calenzana nach Conca. So beginnen Sie mit den schwersten Etappen, solange Sie frisch sind, und beenden die Tour mit Blick auf die Strände im Süden. Wer erst in Form kommen möchte, startet im Süden. Dann wird es allerdings zum Ende hin immer anspruchsvoller.
Anreise nach Calenzana und Abreise von Conca
Calenzana liegt im Hinterland von Calvi. Calvi erreichen Sie per Fähre oder über den Flughafen Calvi-Sainte-Catherine. Von Conca aus bietet laut PNRC ein Shuttle auf Anfrage die Verbindung nach Sainte-Lucie-de-Porto-Vecchio und Porto-Vecchio, von wo Sie weiter zum Flughafen Figari oder zum Fährhafen kommen. Viele verbinden das Ende der Tour mit ein paar Tagen in Porto-Vecchio.
Wie viele Tage einplanen?
Die klassische Durchquerung in 16 Etappen dauert etwa zwei Wochen, plus Anreise und Reservetag. Erfahrene Wanderer legen manchmal zwei Etappen zusammen. Der Naturpark rät davon ab: Eine reservierte Nacht lässt sich nicht einfach auf die nächste Hütte übertragen, wenn die Änderung nicht spätestens 48 Stunden vorher gemeldet wurde.
Ausrüstung: die Pflichtliste des Naturparks
Der PNRC veröffentlicht eine Liste mit Dingen, die in jeden GR20-Rucksack gehören. Sie ist kurz, aber sie zeigt, worauf es ankommt:
| Kategorie | Empfohlen vom PNRC |
|---|---|
| Schlafen | Schlafsack (auch in den Hütten und Mietzelten nötig) |
| Wetterschutz | Regenjacke, warme Schicht (Fleece oder Daune), Kappe |
| Kleidung | lange Hose, Shorts, Bergschuhe |
| Sicherheit | Erste-Hilfe-Set, Rettungsdecke, Stirnlampe |
| Wasser | Trinkflasche mit Filter und Tabletten zur Wasseraufbereitung |
| Orientierung | Topoguide der FFRandonnée „À travers la montagne corse“ |
| Sonstiges | Handtuch für die Dusche |
Halten Sie das Rucksackgewicht so niedrig wie möglich. Da die Hütten Mahlzeiten und einen kleinen Laden anbieten, müssen Sie heute nicht mehr den gesamten Proviant tragen. Ein deutschsprachiger Wanderführer hilft bei der Detailplanung, zum Beispiel der Rother-Wanderführer zum GR20, den wir auf korsika.fr vorgestellt haben.
Sicherheit unterwegs
Der Naturpark und die Bergrettung geben einige klare Empfehlungen: eine Route wählen, die zum eigenen Niveau passt, jemandem den Plan mitteilen, nicht allein gehen, sich in der Gruppe nicht trennen und auf den markierten Wegen bleiben. Das Mobilfunknetz ist entlang des GR20 unzuverlässig, rund um mehrere Hütten wie Carrozzu, Tighjettu oder Manganu gibt es oft keinen Empfang. Im Notfall gilt die europäische Notrufnummer 112.
Respektieren Sie auch die Schutzregeln: In den Bergseen darf nicht gebadet werden, am Lac de Ninu und auf dem Plateau du Cuscionu sind Wanderstöcke wegen der empfindlichen Feuchtwiesen untersagt, Hunde müssen angeleint sein. Für Hunde rät der Park wegen der technischen Passagen generell vom GR20 ab.
Alternativen zum GR20
Wer die Berge Korsikas erleben will, ohne zwei Wochen im Hochgebirge zu verbringen, hat gute Alternativen. Die Fernwanderwege Mare e Monti und Mare a Mare verbinden Küste und Bergdörfer, liegen tiefer und übernachten in Gîtes d’étape. Für Tagestouren eignen sich das Restonica-Tal bei Corte, die Wälder von Vizzavona oder das Bavella-Massiv. Viele Ideen dazu sammelt unser Überblick zum Wandern auf Korsika.
Testen Sie Ihr Wissen über den GR20
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1. Wie viele Etappen hat der GR20 laut Naturpark?
Richtig, 16 Etappen von Calenzana bis Conca.Falsch: Der PNRC teilt den Weg in 16 Etappen.
2. Welcher Ort teilt den GR20 in Nord- und Südteil?
Genau, Vizzavona mit Bahnhof.Nicht ganz: Es ist Vizzavona.
3. Was gilt für Übernachtungen im eigenen Zelt an den Refuges?
Richtig, auch das Biwak muss reserviert werden.Falsch: Auch im eigenen Zelt ist eine Reservierung pro Person vorgeschrieben.
4. Welcher Abschnitt ist seit 2015 gesperrt?
Richtig, nach dem Felssturz vom Juni 2015.Falsch: Gesperrt ist der Cirque de la Solitude.
FAQ
Wie lang ist der GR20 auf Korsika?
Der GR20 ist rund 180 km lang und führt von Calenzana im Norden bis Conca im Süden. Der Naturpark teilt ihn in 16 Etappen ein, die meisten Wanderer brauchen etwa zwei Wochen.
Muss man die Refuges auf dem GR20 reservieren?
Ja. Für Schlafplätze in den Hütten, für Mietzelte und auch für das Biwak im eigenen Zelt verlangt der Parc naturel régional de Corse eine Reservierung pro Person über seine Buchungsplattform.
Wann ist die beste Zeit für den GR20?
In der Regel von Mitte Juni bis Ende September. Im Juni können im Norden noch Schneefelder liegen, im Juli und August ist es heiß und voll, der September gilt als besonders angenehm.
Ist der GR20 für Anfänger geeignet?
Für die komplette Durchquerung nicht. Der Nordteil verlangt Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und gute Kondition. Einsteiger mit Bergerfahrung können mit dem Südteil oder einzelnen Etappen beginnen.
Kann man den GR20 nur teilweise laufen?
Ja, das ist sehr verbreitet. Vizzavona teilt den Weg in Nord- und Südteil und ist per Bahn erreichbar. Auch an Passstraßen wie dem Col de Vergio, dem Col de Verde oder dem Col de Bavella kann man ein- oder aussteigen.
Wie ist der GR20 markiert?
Mit weiß-roten Streifen auf Felsen und Bäumen, ergänzt durch Steinmännchen. Varianten, zum Beispiel über die Grate nach L’Onda, sind gelb markiert.
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